Zitate, Sprüche und Gedichte, die die Seele berühren


So wie ein Baum nicht endet an der Spitze der Wurzeln oder seiner Zweige,

so wie der Vogel nicht endet an seinen Federn und seinem Flug,

so wie die Erde nicht endet an ihrem höchsten Berg,

so ende auch ich nicht an meinem Arm, meinem Fuß, meiner Hand,

sondern greife unentwegt nach außen hinein in allen Raum und alle Zeit

mit meiner Stimme und meinen Gedanken,

denn meine Seele ist das Universum.

 

 

Norman H. Russel, Cherokee


 

Gegenwärtig

nehme ich das alte Jahr

noch einmal

liebevoll

in meine Hände - 

halte es dir hin

mit dem Vertrauen,

dass du es sanft

dem Neuen zeigst;

damit sie langsam

ineinanderfließen

und nur noch 

Strömung sind 

in deinem Meer

 

(Verfasser mir unbekannt)


GROSSE BITTE

 

Wenn es Dir hilft, 

schimpfe auf den Regen, 

denn er kann Dich nicht hören. 

Und wenn es nötig ist, 

kämpfe mit dem Wind; 

er wird denken,

Du spielst mit ihm. 

 

Von mir aus

wirf Steine in den See;

er wird sich nicht lange

in seiner Ruhe stören lassen.

 

Und wenn es nicht anders geht,

verachte

das Tageslicht 

und lasse zur Not noch

den Mond und die Sterne

im Stich -

aber bitte

verletze mich nicht!

 Hans Kruppa     

 

 


Wie ein Mensch, der sich liebt

In dir, 
parallel zu deinem Leben, 
liegt ein anderes Leben.
Es hat sich still verhalten 
und ist mit dir zusammen älter geworden.
Es hat sich nicht aufgedrängt
und nicht die Aufmerksamkeit auf sich gezogen.
Es hat auf den richtigen Augenblick gewartet. 
Dabei ist seine Sehnsucht gewachsen. 
Sie ist immer dichter geworden, 
immer erfüllter und brennender.
Du hast sie gespürt, 
hast versucht sie zu erfüllen, 
bist ängstlich zurückgewichen.

Vielleicht spricht es jetzt.
Es tut sich immer eine Tür ins Leben auf. 
Jeder Tag ist eine Tür.
Sogar das Versäumte hat noch eine Chance, 
wenn du auf diese Stimme hörst, 
die dich in das Haus deines Lebens führen will, 
in dem du endlich – wie lange wolltest du es schon? 
dich dir zukehrst wie ein Mensch, 
der sich liebt.

© Ulrich Schaffer (*1942), Fotograf und Schriftsteller

 

 


Vom Licht im Leben

 

Schaue nicht zu lange in die Dunkelheit und,

vor allem, bleibe nie so lange

in der inneren Dunkelheit,

dass sich deine inneren Augen daran gewöhnen.

 

Lerne lieber, das Licht zu sehen.

Übe, das Licht überall zu sehen.

Genieße, dass du das Licht in allem

und in allen sehen kannst.

 

Aber dafür brauchst du Mut.

Nur der Mut kann dich nämlich

in das Licht begleiten.

Je früher du den Mut ergreifst und begreifst,

umso schneller wirst du

den Weg des Lichtes gehen können.

 

Du brauchst das Leben nicht zu verändern

und schon gar nicht die Welt.

Du brauchst nur den Mut für den Schritt,

der dich auf den Weg des tiefen Vertrauens bringt.

Mehr brauchst du nicht,

weil du dann getragen wirst.

Du wirst gehalten, genährt, erkannt und geliebt.

Brauchst du mehr als das?

 

Mein lieber Mensch,

du brauchst so wenig um glücklich zu sein.

Vergiss das bitte nicht!

 

Aus dem Buch „Die Erde liebt uns“

Ana Pogacnik S. 103

 

Botschaft von Washington D.C.


Die wichtigste Stunde in unserem Leben ist immer der gegenwärtige Augenblick..

Der bedeutsamste Mensch ist immer der, der uns gerade gegenübersteht.

Das notwendigste Werk in unserem Leben ist stets die LIEBE.

 

 

Meister Eckhart


 

 

 

Dreifach ist des Lebens Rhythmus –
nehmend, gebend, selbstversunken:
Einatmend nehm ich die Welt in mich auf
Ausatmend gebe der Welt ich mich hin,
Leergeworden leb ich mich selbst –
Lebe entselbstet und
öffne mich neu.
Einatmend nehm ich die Welt in mir auf
Ausatmend gebe der Welt ich mich hin:
Entleert erleb ich die F
ülle,
Entformt erleb ich die Form.

 

Lama Anagarika Govinda


Entwickle einen Geist, 

der so offen ist wie der Raum,

in dem die angenehmen und unangenehmen Erfahrungen

entstehen und vergehen können,

ohne Konflikte oder Leid hervorzurufen.

verweile in diesem Geist wie im weiten Himmel.

Majjhima Nikaya



Eine lichte Mitternacht


Dies ist deine Stunde, o Seele,

Dein freier Flug ins Wortlose,

weg von Büchern,

weg von Künsten,

nach getilgtem Tag, 

nach getaner Arbeit,

Dich  ganz und weitfort hebend,

schweigend, staunend, sinnend

über das, was du am meisten liebst:

die Nacht, den Schlaf und die Sterne.


nach Walt Whitman




Die Familie aller Dinge

Du brauchst nicht gut zu sein.

Du brauchst nicht Hunderte von Meilen

Reuevoll auf Knien durch die Wüste rutschen.

Du brauchst bloß das kleine weiche Tier deines Körpers

Lieben zu lassen, was es liebt.

Erzähl mir von Verzweiflung, deiner, und ich erzähle dir von meiner.

Derweil nimmt die Welt ihren Lauf.

Derweil bewegen sich die Sonne und die klaren Kiesel des Regens

Durch die Landschaften,

über Prärien, die tiefen Täler,

die Berge und Flüsse.

Derweil ziehen die wilden Gänse hoch in der klaren, blauen Luft

Wieder heimwärts.

Wer immer du bist, gleich, wie verlassen,

die Welt bietet sich deiner Phantasie dar,

ruft dich wie die wilden Gänse, mit rauer, aufregender Stimme - 

immer wieder, und verkündet dir deinen Platz

in der Familie aller Dinge.

 

Mary Oliver

(deutsche Übersetzung aus dem Buch "Der Weg des Druiden" von Philip Carr-Gomm)

 

 

 

 

 

 

 


Das Meer


Wenn man ans Meer kommt

Soll man zu schweigen beginnen

Bei den letzten Grashalmen

Soll man den Faden verlieren


Und den Salzschaum

Und das scharfe zischen des Windes

Einatmen

Und ausatmen


Wenn man den Sand sägen hört

Und das Schlurfen der kleinen Steine in langen Wellen

Soll man aufhören zu sollen

und nicht mehr wollen wollen


Nur Meer

Nur Meer


Erich Fried




"Wende dein Gesicht immer der Sonne zu,

dann fallen die Schatten hinter dich."

Ramana Maharshi

 

 

 


Ich finde Dich in allen diesen Dingen

Ich finde dich in allen diesen Dingen, 
denen ich gut und wie ein Bruder bin; 
als Samen sonnst du dich in den geringen 
und in den großen gibst du groß dich hin. 

Das ist das wundersame Spiel der Kräfte, 
dass sie so dienend durch die Dinge gehn: 
in Wurzeln wachsend, schwindend in die Schäfte 
und in den Wipfeln wie ein Auferstehn. 


Rainer Maria Rilke, 24.9.1899, Berlin-Schmargendorf


Allseele,

Mein Herz, Quelle des Einen!

Eines in Allem,

Alles im Herzen des Unendlichen –

 

Unendliches,

schütze wieder und wieder

die Seele, das Leben,

den Atem und die Klarheit des Herzens,

schütze Geborenes und Ungeborenes,

beschütze die selbstlose Schöpfung

 

Anjali Sriram


 

 

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Reinhold Niebuhr (amerik. Philosoph)

 

 

 


Achte gut auf DIESEN Tag,

 

denn er ist das Leben -

das Leben allen Lebens.

In seinem kurzen Ablauf

liegt alle Wirklichkeit

und Wahrheit des Daseins,

die Wonne des Wachsens,

die Herrlichkeit der Kraft

 

Denn das Gestern

ist nichts als ein Traum

und das Morgen nur eine Vision.

Das heute jedoch - recht gelebt -

macht jedes Gestern

zu einem Traum voller Glück

und das Morgen

zu einer Vision voller Hoffnung.

 

Darum achte gut auf DIESEN Tag.

 

aus dem Sanskrit



Immer dann, wenn die Liebe nicht ganz reicht, wünsche ich Dir Großherzigkeit.

Immer dann, wenn Du verständlicherweise auf Revanche sinnst, wünsche ich Dir Mut zum Verzeihen.

Immer dann, wenn sich bei Dir das Misstrauen rührt, wünsche ich Dir einen Vorschuss an Vertrauen.

Immer dann, wenn Du mehr haben willst, wünsche ich Dir die Sorglosigkeit der Vögel des Himmels.

Immer dann, wenn Du Dich über die Dummheit anderer ärgerst, wünsche ich Dir ein herzhaftes Lachen.

Immer dann, wenn Dir der Kragen platzt, wünsche ich Dir tiefes Durchatmen.

Immer dann, wenn Du gerade aufgeben willst, wünsche ich Dir Kraft zum nächsten Schritt.

Immer dann, wenn Du Dich von Gott und der Welt verlassen fühlst, wünsche ich Dir eine unverhoffte Begegnung, ein Klingeln an der Haustür.

Immer dann, wenn Gott für Dich weit weg scheint, wünsche ich Dir Seine spürbare Nähe.

 

Gesehen in der Kirche in Lech, Österreich



 

 

Widme Dich der Liebe und dem Kochen mit wagemutiger Sorglosigkeit.

Dalai Lama Tenzin Gyatso

 

 

 


Der Sommertag 

 

Wer hat die Welt geschaffen? 

Wer hat den Schwan geschaffen, und wer den schwarzen Bären? 

Wer hat die Heuschrecke geschaffen? 

Diese Heuschrecke, meine ich - 

die, die sich aus dem Gras erhoben hat,

die, die Zucker aus meiner Hand frisst,

die ihren Kiefer vor und zurück, statt auf und nieder bewegt -

die sich umschaut mit ihren riesigen, komplizierten Augen. 

Jetzt hebt sie ihre blassen Vorderarme

und wäscht sich gründlich ihr Gesicht.

Jetzt klappt sie ihre Flügel auf

und schwebt weg.

Ich weiß nicht genau,

was ein Gebet ist.

Ich weiß nur, wie man aufmerksam ist, 

wie man hinfällt 

ins Gras hinein, wie man sich im Gras niederkniet, 

wie man müßig und gesegnet ist, wie man durch die Felder streunt,

denn das ist es, was ich den ganzen Tag lang getan habe. 

Sage mir, was hätte ich sonst tun sollen? 

Stirbt nicht alles zu guter Letzt, und viel zu schnell?

Sage mir, was hast Du vor 

mit Deinem einen, wilden, kostbaren Leben?

 

Mary Oliver


WIE ICH DIR BEGEGNEN MÖCHTE

 

Virginia Satir

 

Ich möchte Dich lieben, ohne Dich einzuengen;

Dich wertschätzen, ohne Dich zu bewerten;

Dich ernst nehmen, ohne Dich auf etwas festzulegen;

zu Dir kommen, ohne mich Dir aufzudrängen;

Dich einladen, ohne Forderungen an Dich zu stellen;

Dir etwas schenken, ohne Erwartungen daran zu knüpfen;

von Dir Abschied nehmen, ohne Wesentliches versäumt zu haben;

Dir meine Gefühle mitteilen, ohne Dich für Sie verantwortlich zu machen;

Dich informieren, ohne Dich zu belehren;

Dir helfen, ohne Dich zu beleidigen;

mich um Dich kümmern, ohne Dich verändern zu wollen;

mich an Dir freuen, so wie Du bist.

Wenn ich von Dir das Gleiche bekommen kann,

dann können wir einander wirklich begegnen

und uns gegenseitig bereichern.

 

 

 

AUTOBIOGRAPHIE IN FÜNF KAPITELN

 

Portia Nelson

I.

Ich gehe eine Straße entlang.

Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.

Ich falle hinein.

Ich bin verloren … Ich bin ohne Hoffnung.

Es ist nicht meine Schuld.

Es dauert endlos lange, wieder herauszukommen.

II.

Ich gehe dieselbe Straße entlang.

Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.

Ich tue so, als sähe ich es nicht.

Ich falle wieder hinein.

Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein.

Aber es ist nicht meine Schuld.

Immer noch dauert es sehr lange, herauszukommen.

III.

Ich gehe dieselbe Straße entlang.

Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.

Ich sehe es.

Ich falle immer noch hinein … aus Gewohnheit.

Meine Augen sind offen.

Ich weiß, wo ich bin.

Es ist meine eigene Schuld.

Ich komme sofort heraus.

IV.

Ich gehe dieselbe Straße entlang.

Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.

Ich gehe darum herum.

V.

Ich gehe eine andere Straße.



Martin Uhlemann,

 

 

Wer Du bist

Wenn Du bleiben willst ..

bist Du willkommen.

Wenn Du gehen willst, 

geh in Frieden.

Du hast meinen Segen.

 

Nichts hier ..

ist DIE Wahrheit.

 

Nichts hier ..

will Dir gefallen.

Dich gewogen stimmen.

Deinen Beifall erheischen. 

Dich zu einem mir Folgenden machen.

MenschSein ..

hat rein gar nichts mit Gefallen zu tun. 

MenschSein 

ist Authentizität. 

MenschSein 

ist Dein Mut, 

Dich selbst anzuschauen.

 

Verantwortung zu übernehmen. 

 

Dich zu lieben. 

Trotz Allem, 

für Alles und wegen ALLEM.

Durch jedes 

Deiner selbstkreierten NEINS hindurch.

 

Was immer Dir missfällt, 

ist in Dir selbst.

Sieh das Geschenk. Und pack es aus.

Vorwürfe ..

ob an Dich oder Mich, 

bringen Dich nicht weiter. 

Still werden und Hinsehen ..

schon.

 

Wenn es weh tut, richtig weh, 

lass es brennen.

 

Mitten im Feuer .. 

erfährst Du wer Du bist.

 

 


Möge die Sonne Dir

Kraft schenken am Tage.

Möge der Mond Dich

sanft heilen in der Nacht.

Möge das Meer Deine

Sorgen wegspülen.

Möge eine sanfte Brise Dir

neue Stärke einhauchen.

Mögest Du behutsam durch die Welt gehen

und wissen,

dass all dies jeden Tag

Teil Deines Lebens ist.

 

Buddha sagt:

DU BIST DAS,

WONACH DU SUCHST.



Mit Zündstoff

 

Sei gefasst - 

es kann dir Hals und Kragen kosten

Mark und Bein,

wenn du die Träume lebst,

die du seit jeher hattest.

 

Nein - 

es wird nicht sein wie früher

anders wird es werden;

niemand löscht

ein Feuer,

das dich mitten durch entzündet;

keiner bremst 

den Zug auf voller Fahrt.

 

Vreni Merz